Unterschied in Heidegger

Wir stehen in der Unterscheidung von Seienden und Sein. Diese Unterscheidung trägt den Bezug zum Sein und trägt das Verhältnis zum Seienden. Diese Unterscheidung waltet...ohne dass wir darauf achten. So scheint es eine Unterscheidung zu sein, deren Unterschiedenes von niemandem eigentlich unterschieden wird, eine Unterscheidung , für die kein Unterscheidender „da ist“ und keine Unterscheidungsbereich ausgemacht, geschweige denn erfahren ist. (GA48, S 283)

Unterscheidung als „Differenz“ meint, dass ein Austrag zwischen Sein und Seienden besteht. Woher und wie? (GA48, S 285)

Die Unterscheidung von Sein und Seiendem können wir uns nicht entziehen (...). Überall und ständig gehen und stehen wir auf dem Steg dieser Unterscheidung, der uns vom Seienden zum Sein und vom Sein zum Seienden trägt, in allem Verhalten zum Seienden, welcher Art und welchen Ranges (...) es sein mag. (GA48, S 317)

Ergibt sich diese Unterscheidung erst als Folge der Natur des Menschen oder bestimmt sich zuvor und überhaupt die Natur und das Wesen des Menschen auf dem Grunde diese Unterscheidung und aus ihr? Dann wäre diese Unterscheidung nicht ein "Akt", den der sonst seiende Mensch unter anderen eben auch vollzieht, sondern der Mensch könnte als Mensch nur sein, sofern er in dieser Unterscheidung schwingt und hängt....Dann müsste das Wesen des Menschen auf eine "Unterscheidung" gebaut werden. (GA48, S 318/9)

[D]ie Unterscheidung sei der Steg, der uns überall in allem Verhalten und ständig in jeglicher Haltung vom Seienden zum Sein und vom Sein zum Seienden führte. Das ist im Bilde gesprochen und legt die Vorstellung nahe, als lägen und stünden Seiendes und Sein auf verschieden Ufern eines Stromes, den wir gar nicht benennen und vielleicht ...niemals benennen können. Denn worauf sollen wir uns dabei stützen, was soll noch als Strom zwischen dem Seienden und dem Sein strömen, was weder Seiendes ist noch zum Sein gehört? (GA48, S 322)

Dennoch soll es das Selbe sein, was der Eine (Nietzsche) denkt und was der Andere (Hölderlin) dichtet? Es soll das sein, was ist? Dann müsste in dem, was ist, d.h. im Sein selbst, sich ein unendlicher Unterschied verbergen. (GA50, S 103)

In dieser Unklarheit des Unterschieds zwischen Seienden und dem Sein steht bis zur Stunde das ganze abendländische Denken. (GA50, 129)

June 16, 2004 in Heidegger, Original difference, Space of the door | Permalink